Das Flachdach bietet eine besondere Freiheit bei der Solarinstallation: Da keine feste Dachneigung vorgegeben ist, konnen Sie die Ausrichtung und den Neigungswinkel der Module frei wahlen. Die beiden gangigsten Varianten sind die Sud-Aufstanderung und die Ost-West-Aufstanderung. Beide Systeme haben ihre Starken – aber welches ist fur Ihr Dach die bessere Wahl? Dieser ausfuhrliche Vergleich hilft Ihnen bei der Entscheidung.

Grundlagen der Flachdach-Aufstanderung
Auf einem Flachdach werden Solarmodule nicht flach verlegt, sondern mit Hilfe von Aufstanderungssystemen auf eine optimale Neigung gebracht. Der Neigungswinkel und die Ausrichtung bestimmen massgeblich den Energieertrag, die nutzbare Dachflache und die Windlast auf die Konstruktion.
Die Befestigung erfolgt entweder durch Ballastierung mit Betonsteinen oder Kiesauflage, durch Dachdurchdringung mit verschraubter Befestigung oder durch Einhangung in die Attika. Die ballastierte Variante ist bei Flachdachern am verbreitetsten, da sie keine Perforation der Dachabdichtung erfordert und damit das Risiko von Undichtigkeiten eliminiert.
Beide Aufstanderungsvarianten mussen die Windlasten gemass SIA-Normen berucksichtigen. Besonders die Randbereiche und Ecken des Dachs sind hoheren Windkraften ausgesetzt, weshalb dort haufig eine verstakte Ballastierung oder ein grosserer Abstand zur Dachkante erforderlich ist.
Sud-Aufstanderung im Detail
Bei der Sud-Aufstanderung werden die Module in Reihen nach Suden ausgerichtet und auf typischerweise 15 bis 30 Grad aufgestandert. Diese Variante maximiert den Ertrag pro installiertem Modul.
Vorteile der Sud-Aufstanderung
Der grosste Vorteil der Sud-Aufstanderung liegt im hoheren spezifischen Ertrag pro Modul. Bei optimaler Neigung und Sudausrichtung erreichen Sie in der Schweiz rund 950 bis 1'100 kWh pro kWp und Jahr. Das bedeutet, dass jedes einzelne Modul seine maximale Leistung entfaltet.
Die Ertragsverteilung uber den Tag zeigt einen ausgepragten Peak zur Mittagszeit. Fur Gewerbebetriebe mit hohem Mittags-Verbrauch – etwa Restaurants, Buros oder Produktionsbetriebe – kann dies von Vorteil sein, da die Produktion gut mit dem Verbrauch korreliert.
Durch den steileren Aufstellwinkel profitieren sud-aufgestanderte Anlagen von einem besseren Selbstreinigungseffekt und einer effizienteren Schneeabreinigung. Im Winter, wenn die Sonne tiefer steht, liefert die steilere Neigung zudem relativ hohere Ertrage als flachere Systeme.
Nachteile der Sud-Aufstanderung
Der entscheidende Nachteil ist der Platzbedarf. Zwischen den Modulreihen muss ein ausreichender Abstand eingehalten werden, um gegenseitige Verschattung zu vermeiden. Dieser Reihenabstand betragt je nach Neigungswinkel und Breitengrad das 1,5- bis 2,5-fache der Modulhohe. Das bedeutet, dass bei einer Sud-Aufstanderung nur etwa 40 bis 55 Prozent der Dachflache tatsachlich mit Modulen belegt werden konnen.
Die konzentrierte Mittagsproduktion fuhrt zudem zu hoheren Einspeisespitzen. Wenn viele Anlagen in einer Region gleichzeitig Mittags-Spitzen produzieren, kann der Netzwert des Stroms sinken, und die Ruckspeisevergutung wird weniger attraktiv.
Ost-West-Aufstanderung im Detail
Bei der Ost-West-Aufstanderung werden die Module in einem flachen Winkel von typischerweise 10 bis 15 Grad gegenuber aufgestellt – die eine Halfte nach Osten, die andere nach Westen. Die Module stutzen sich gegenseitig ab, was eine sehr kompakte und windstabile Konstruktion ergibt.
Vorteile der Ost-West-Aufstanderung
Der grosste Vorteil ist die deutlich bessere Flachenausnutzung. Da die Module nur flach geneigt sind und sich gegenseitig stutzen, entfallt der grosse Reihenabstand der Sud-Aufstanderung. Typischerweise konnen 70 bis 85 Prozent der Dachflache belegt werden – fast doppelt so viel wie bei der Sud-Variante.
Die Ertragsverteilung uber den Tag ist gleichmassiger. Statt eines hohen Mittagspeaks gibt es zwei flachere Peaks am Morgen und am Abend. Das erhoht den Eigenverbrauchsanteil deutlich, da die Produktion besser mit dem typischen Verbrauchsprofil eines Haushalts ubereinstimmt.
Die flache Neigung und die gegenseitige Abstutzung der Module ergeben eine sehr geringe Angriffsflache fur Wind. Das reduziert die erforderliche Ballastierung erheblich – ein wichtiger Vorteil fur Dacher mit begrenzter Tragfahigkeit. Typischerweise ist nur halb so viel Ballast erforderlich wie bei einer Sud-Aufstanderung.
Aufgrund der niedrigeren Windlast und der kompakteren Konstruktion sind die Montagesystemkosten in der Regel gunstiger. Die Installationszeit ist kurzer, da die vormontierten Ost-West-Systeme schnell aufgestellt werden konnen.
Nachteile der Ost-West-Aufstanderung
Der spezifische Ertrag pro Modul ist niedriger als bei der Sud-Aufstanderung. Pro kWp installierter Leistung produziert eine Ost-West-Anlage etwa 10 bis 15 Prozent weniger als eine optimal sudausgerichtete Anlage. Dieser Nachteil wird jedoch durch die hohere Modulanzahl auf der gleichen Flache mehr als kompensiert.
Die flache Neigung kann zu einer schlechteren Selbstreinigung fuhren. Staub, Laub und Vogelkot bleiben langer auf den Modulen liegen, was die Leistung reduzieren kann. In der Nahe von Baumen oder in stadtischen Gebieten kann eine gelegentliche Reinigung notwendig sein.
Direkter Vergleich: Die Zahlen sprechen
| Kriterium | Sud-Aufstanderung | Ost-West |
|---|---|---|
| Flachenausnutzung | 40–55% | 70–85% |
| Ertrag pro kWp | 950–1'100 kWh | 830–950 kWh |
| Gesamtertrag (gleiche Flache) | Basis | +20–40% |
| Eigenverbrauch | Tief bis mittel | Hoch |
| Windlast | Hoch | Niedrig |
| Ballast-Bedarf | Hoch | Niedrig |
| Kosten pro kWp | Hoher | Niedriger |
| Spitzenleistung | Hoch (Mittag) | Gleichmassig |
Wann welches System wahlen?
Sud-Aufstanderung empfohlen bei:
- Grosser Dachflache mit geringer Nutzungskonkurrenz
- Hohem Stromverbrauch zur Mittagszeit (Gewerbebetriebe)
- Wunsch nach maximalem Ertrag pro Modul
- Ausreichender Statik fur hohere Ballastierung
- Anlagen mit hohem Eigenverbrauch durch grosse Speicher
Ost-West-Aufstanderung empfohlen bei:
- Begrenzter Dachflache, die maximal genutzt werden soll
- Verbrauchsprofil mit Morgen- und Abendspitzen (Wohngebaude)
- Begrenzter Statik (leichte Dachkonstruktion)
- Wunsch nach hohem Eigenverbrauch ohne grossen Speicher
- Flachdachern mit Dachbegrunung (geringere Ballastierung)
Kombination beider Systeme
Auf grosseren Dachflachen kann eine Kombination beider Systeme sinnvoll sein. Beispielsweise konnen die Kernbereiche des Dachs mit Ost-West-Systemen belegt werden, wahrend am Sudrand eine Reihe sudaufgestanderter Module fur einen hoheren Spitzenertrag sorgt.
Diese Hybrid-Lösung erfordert eine sorgfaltige Planung der Verschaltung, kann aber das Beste aus beiden Welten vereinen: hohe Flachenausnutzung mit gutem Eigenverbrauch und gleichzeitig hohe Ertrage pro Quadratmeter.
Kosten und Wirtschaftlichkeit
Die Kosten fur eine Flachdach-Solaranlage liegen in der Regel leicht uber denen einer Schragdach-Anlage, da zusatzlich das Aufstanderungssystem und die Ballastierung anfallen. Allerdings sind Ost-West-Systeme in der Regel gunstiger pro kWp als Sud-Systeme, da die Montagesysteme kompakter und die Installation schneller ist.
Eine typische Ost-West-Anlage auf einem Flachdach kostet CHF 1'300 bis 1'800 pro kWp, wahrend eine Sud-Aufstanderung CHF 1'500 bis 2'000 pro kWp kostet. Bei gleicher Dachflache ergibt sich durch die hohere Belegungsdichte der Ost-West-Variante oft eine bessere Gesamtwirtschaftlichkeit.
Unser Tipp
Fur die meisten Wohngebaude in der Schweiz empfehlen wir die Ost-West-Aufstanderung. Die bessere Flachenausnutzung, der hohere Eigenverbrauch und die geringeren Kosten pro kWp machen sie in den meisten Fallen zur wirtschaftlicheren Lösung. Lassen Sie sich von uns eine individuelle Vergleichsrechnung fur Ihr Flachdach erstellen.
Dachbegrunung und Solar auf dem Flachdach
Ein besonderes Thema fur Flachdacher ist die Kombination von Dachbegrunung und Solaranlage – das sogenannte Biosolar-Dach. In vielen Schweizer Gemeinden ist bei Neubauten eine Dachbegrunung vorgeschrieben. Die gute Nachricht: Solar und Grun schliessen sich nicht aus, sondern erganzen sich sogar gegenseitig.
Die Vegetation unter den Modulen profitiert vom Halbschatten, wahrend die Module durch die Verdunstungskulung der Pflanzen effizienter arbeiten. Die Ost-West-Aufstanderung eignet sich fur Biosolar-Dacher besonders gut, da die flache Neigung mehr Licht auf die darunterliegende Vegetation fallen lasst.
Fazit: Die richtige Wahl fur Ihr Flachdach
Beide Aufstanderungsvarianten haben ihre Berechtigung. Die Entscheidung hangt von Ihren individuellen Gegebenheiten ab: Dachflache, Statik, Verbrauchsprofil und Budget spielen die entscheidende Rolle. In der Praxis setzt sich die Ost-West-Aufstanderung zunehmend durch, da sie bei den meisten Rahmenbedingungen die wirtschaftlichere Lösung darstellt.
Unabhangig von der gewahlten Variante bietet das Flachdach den grossen Vorteil der Flexibilitat. Nutzen Sie diese Freiheit, um die optimale Lösung fur Ihre Situation zu finden.
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