Bevor Solarmodule auf ein Dach montiert werden, stellt sich eine grundlegende Frage: Tragt das Dach das zusatzliche Gewicht? Die Statik des Dachs ist ein entscheidender Faktor bei der Solarplanung. In den meisten Fallen ist die Antwort erfreulicherweise positiv, doch es gibt Situationen, in denen eine genauere Prufung unerlasslich ist. Dieser Ratgeber erklart, wann eine Statikprufung notig ist, wie sie ablauft und was sie kostet.

Wie viel wiegt eine Solaranlage?
Um die statische Belastung einschatzen zu konnen, muss man das Gewicht einer Solaranlage kennen. Es setzt sich aus drei Komponenten zusammen: den Solarmodulen, dem Montagesystem und gegebenenfalls der Ballastierung.
Gewicht der einzelnen Komponenten
| Komponente | Gewicht pro m² | Bemerkung |
|---|---|---|
| Standard-Solarmodul | 10–13 kg/m² | Je nach Modultyp und Grosse |
| Leichtbau-Modul | 5–8 kg/m² | Fur statisch begrenzte Dacher |
| Aufdach-Montagesystem | 2–4 kg/m² | Schienen, Haken, Klemmen |
| Indach-System | 8–12 kg/m² | Ersetzt Dacheindeckung |
| Flachdach-Aufstanderung | 3–6 kg/m² | Ohne Ballast |
| Ballastierung (Flachdach) | 15–30 kg/m² | Betonplatten oder Kies |
Fur eine typische Aufdach-Anlage auf einem Schragdach betragt die zusatzliche Belastung also ca. 12 bis 17 kg/m². Das entspricht in etwa dem Gewicht einer Schneeschicht von 3 bis 5 Zentimetern. Fur die meisten Schweizer Dacher, die fur erhebliche Schneelasten ausgelegt sind, ist dies kein Problem.
Bei Flachdachern mit Ballastierung kann die Belastung deutlich hoher ausfallen – bis zu 35 bis 45 kg/m² inklusive Aufstanderung und Ballast. Hier ist eine Statikprufung fast immer empfehlenswert.
Wann ist eine Statikprufung notwendig?
Statikprufung empfohlen
Eine professionelle Statikprufung ist in folgenden Fallen ratsam:
- Flachdacher mit Ballastierung: Die zusatzliche Last durch Ballastierung kann die Tragfahigkeit uberschreiten.
- Altere Gebaude (vor 1970): Die damaligen Baunormen sahen geringere Lastreserven vor.
- Leichtbaukonstruktionen: Hallen, Garagen und Nebengebaude sind oft nicht fur hohe Zusatzlasten ausgelegt.
- Bestehende Dachlasten: Dacher mit schwerer Eindeckung (Naturschiefer, Betondachsteine), Dachbegrunung oder technischen Aufbauten.
- Sichtbare Verformungen: Durchhangende Pfetten, gebogene Sparren oder gerissene Kehlbalken.
- Grosse Anlagen (uber 15 kWp): Bei grossen Anlagen erhoht sich das Gesamtgewicht erheblich.
- Schneereiche Gebiete: In Regionen mit hoher Schneelast (uber 1.5 kN/m²) sind die Reserven oft knapper.
Statikprufung in der Regel nicht notig
Bei folgenden Konstellationen ist eine formelle Statikprufung meist nicht erforderlich:
- Neuere Gebaude (ab 1990) mit Standardkonstruktion
- Schragdacher mit Aufdach-Montage (ohne Ballast)
- Dacher mit leichter Eindeckung (Ziegel, Blech) und keinen Vorschaden
- Kleine bis mittlere Anlagen auf Einfamilienhausern
Auch in diesen Fallen fuhrt ein erfahrener Installateur eine visuelle Beurteilung der Dachkonstruktion durch und erkennt mogliche Schwachstellen.
Ablauf einer Statikprufung
Schritt 1: Dokumentensichtung
Der Statiker beginnt mit der Sichtung vorhandener Bauunterlagen. Relevante Dokumente sind der Bauplan mit Angaben zur Dachkonstruktion, fruhere statische Berechnungen, Angaben zur verwendeten Holzart und Querschnitten sowie Informationen uber bereits erfolgte Umbauten oder Verstarkungen.
Schritt 2: Vor-Ort-Besichtigung
Bei der Besichtigung werden die tatsachlichen Verhaltnisse mit den Planen abgeglichen. Der Statiker misst die Sparrenquerschnitte, pruft die Holzqualitat (Feuchte, Schadlingsbefall, Faulnis), untersucht die Verbindungsmittel und beurteilt den Gesamtzustand der Konstruktion. Auch die Fundamente und Aussenwande werden in die Beurteilung einbezogen, da sie die Lasten weiterleiten.
Schritt 3: Berechnung
Basierend auf den erhobenen Daten erstellt der Statiker eine Berechnung der vorhandenen Tragfahigkeit und vergleicht sie mit der geplanten Belastung aus der Solaranlage. Dabei werden alle relevanten Lasten berucksichtigt: Eigengewicht der Konstruktion, Dacheindeckung, Schnee- und Windlasten gemas SIA-Normen sowie das Gewicht der geplanten Solaranlage.
Schritt 4: Gutachten und Empfehlung
Das Ergebnis wird in einem Gutachten zusammengefasst, das eine klare Aussage zur Tragfahigkeit enthalt. Mogliche Ergebnisse sind: Das Dach tragt die geplante Anlage ohne Einschrankungen, das Dach tragt eine reduzierte Anlage, oder es sind Verstarkungsmassnahmen erforderlich.
Kosten einer Statikprufung
| Leistung | Kosten | Umfang |
|---|---|---|
| Einfache Beurteilung | CHF 500–1'000 | Sichtprufung + uberschlagige Berechnung |
| Vollstandige Statikprufung | CHF 1'000–2'500 | Vor-Ort-Aufmass + detaillierte Berechnung |
| Gutachten mit Verstarkungsplanung | CHF 2'000–4'000 | Inkl. Massnahmenplanung |
Mogliche Verstarkungsmassnahmen
Wenn die Statikprufung ergibt, dass das Dach die geplante Solaranlage nicht ohne weiteres tragen kann, gibt es verschiedene Moglichkeiten, die Tragfahigkeit zu erhohen.
Sparrenverstarkung
Die gangigste Massnahme ist das Aufdoppeln oder Verstarken der Dachsparren. Neue Holzbalken werden seitlich an die bestehenden Sparren geschraubt und erhohen deren Tragfahigkeit. Die Kosten liegen bei CHF 50 bis 150 pro Laufmeter Sparren.
Zusatzliche Stutzpunkte
Durch zusatzliche Pfetten oder Stutzpunkte konnen die Spannweiten der Sparren reduziert und die Tragfahigkeit erhoht werden. Dies ist besonders bei grossen Spannweiten effektiv.
Leichtbaumodule verwenden
Als alternative oder erganzende Massnahme konnen Leichtbaumodule mit einem Gewicht von nur 5 bis 8 kg/m² eingesetzt werden. Sie reduzieren die Dachbelastung um 30 bis 50 Prozent gegenuber Standardmodulen, sind aber etwas teurer.
Normen und Vorschriften
In der Schweiz gelten die SIA-Normen (Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein) als verbindliche technische Grundlage fur statische Berechnungen. Relevant fur Solaranlagen sind insbesondere die SIA 261 (Einwirkungen auf Tragwerke) fur Wind- und Schneelasten sowie die SIA 265 (Holzbau) fur die Tragfahigkeit von Holzkonstruktionen.
Die Windlast auf eine Solaranlage hangt von der Gebaudehohe, der Gebaude- und Dachform, der Lage des Gebaudes und der lokalen Windzone ab. In der Schweiz werden drei Winddruckzonen unterschieden, wobei die Belastung von West nach Ost zunimmt und in Berggebieten hoher ist als im Flachland.
Unser Tipp
Lassen Sie die Statikprufung vom Solarinstallateur organisieren. Seriose Unternehmen arbeiten mit erfahrenen Statikern zusammen und konnen die Prufung als Teil des Gesamtpakets anbieten. Oft sind die Kosten dann gunstiger als bei einer separaten Beauftragung, da der Statiker die Solarplanung bereits kennt und die Prufung gezielt auf die relevanten Fragen ausrichten kann.
Fazit: Sicherheit geht vor
Die Statik ist ein Thema, bei dem keine Kompromisse gemacht werden sollten. Die gute Nachricht ist: Die allermeisten Schweizer Dacher sind fur Solaranlagen geeignet. Die zusatzliche Last ist moderat und liegt innerhalb der Reserven, die fur Schnee und Wind ohnehin vorgesehen sind. Wenn jedoch Zweifel bestehen, ist eine professionelle Prufung die beste Investition – sie schafft Klarheit und gibt Ihnen die Sicherheit, dass Ihre Solaranlage auf einem soliden Fundament steht.
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