Dachneigung fur Solar berechnen: Optimaler Winkel fur die Schweiz

Die Dachneigung ist neben der Ausrichtung der wichtigste Faktor fur den Ertrag einer Solaranlage. In der Schweiz, die zwischen dem 46. und 48. Breitengrad liegt, gibt es einen klaren optimalen Neigungswinkel. Doch wie berechnet man die Dachneigung, was ist der optimale Winkel, und wie stark weichen die Ertrage bei Abweichungen ab? Dieser Ratgeber beantwortet alle Fragen rund um die Dachneigung fur Solar.

Solartechniker misst Dachneigung

Physikalische Grundlagen

Solarmodule erzeugen dann die meiste Energie, wenn die Sonnenstrahlen senkrecht auf ihre Oberflache treffen. Da die Sonne im Tages- und Jahresverlauf ihren Stand andert, gibt es keinen Winkel, der zu jeder Zeit optimal ist. Der optimale Neigungswinkel fur eine Solaranlage ist daher ein Kompromiss, der den Jahresertrag maximiert.

In der Schweiz steht die Sonne im Sommer zur Mittagszeit etwa 65 bis 68 Grad uber dem Horizont, im Winter nur 18 bis 21 Grad. Der optimale Ganzjahreswinkel liegt daher bei etwa 30 bis 35 Grad – ein Mittelwert, der sowohl im Sommer als auch im Winter gute Ertrage liefert.

Optimaler Winkel nach Nutzungsprofil

NutzungszielOptimaler WinkelBegrundung
Maximaler Jahresertrag30–35°Bester Kompromiss uber alle Jahreszeiten
Maximaler Sommerertrag15–25°Sonne steht hoch, flacherer Winkel optimal
Maximaler Winterertrag50–65°Sonne steht tief, steilerer Winkel optimal
Hoher Eigenverbrauch20–30°Breitere Tagesproduktion, weniger Spitze

Dachneigung messen und berechnen

Wenn Sie die Neigung Ihres Dachs nicht kennen, gibt es verschiedene Methoden, sie zu bestimmen.

Methode 1: Aus den Bauplanern

Die einfachste Methode: Schauen Sie in Ihre Bauplane. Die Dachneigung ist dort in der Regel in Grad oder als Verhaltnis (z.B. 1:2 = 26.6 Grad) angegeben. Wenn Sie keine Bauplane haben, konnen Sie sie beim zustandigen Bauamt anfordern.

Methode 2: Mit Wasserwaage und Zollstock

Legen Sie eine 1-Meter-Wasserwaage horizontal auf das Dach (oder den Dachboden an einen Sparren). Messen Sie am tiefer liegenden Ende den vertikalen Abstand zwischen Dachflache und Wasserwaage. Bei einem Abstand von 50 cm betragt die Neigung etwa 26.5 Grad, bei 60 cm etwa 31 Grad, bei 70 cm etwa 35 Grad.

Methode 3: Smartphone-App

Es gibt zahlreiche kostenlose Apps, die den Neigungswinkelmesser des Smartphones nutzen. Legen Sie das Smartphone auf eine Dachlatte oder einen Sparren und lesen Sie den Winkel ab. Die Genauigkeit liegt bei etwa plus/minus 1 bis 2 Grad.

Umrechnungstabelle: Verhaltnis zu Grad

Neigung (Verhaltnis)Neigung (Grad)Neigung (Prozent)
1:414.0°25%
1:318.4°33%
1:2.521.8°40%
1:226.6°50%
1:1.533.7°67%
1:145.0°100%

Ertragstabelle nach Neigungswinkel

Die folgende Tabelle zeigt den relativen Ertrag einer Solaranlage in der Schweiz (Mittelland) bei Sudausrichtung fur verschiedene Neigungswinkel. Der optimale Winkel (30–35 Grad) wird als 100% Referenz verwendet.

NeigungRelativer JahresertragkWh/kWp (ca.)Bewertung
0° (horizontal)87%870–960Akzeptabel
10°93%930–1'020Gut
15°96%960–1'050Gut
20°98%980–1'075Sehr gut
25°99%990–1'090Sehr gut
30°100%1'000–1'100Optimal
35°100%1'000–1'100Optimal
40°98%980–1'075Sehr gut
45°95%950–1'045Gut
50°91%910–1'000Gut
60°82%820–900Akzeptabel
90° (vertikal)55%550–600Nur als Fassade

Wichtige Erkenntnis

Die Tabelle zeigt: Der Ertrag ist im Bereich von 15 bis 45 Grad erstaunlich stabil. Selbst bei deutlicher Abweichung vom Optimum verlieren Sie nur wenige Prozent. Das bedeutet: Fast jedes Schragdach in der Schweiz hat eine fur Solar geeignete Neigung. Erst bei sehr steilen Dachern (uber 50 Grad) oder horizontalen Flachen werden die Einbussen spurbar.

Regionale Unterschiede in der Schweiz

Der optimale Neigungswinkel variiert leicht je nach Standort in der Schweiz. Im Tessin (sudlichster Punkt, Breitengrad 46) liegt der Optimalwinkel bei 28 bis 33 Grad. In Basel oder Schaffhausen (nordlichster Punkt, Breitengrad 47.7) bei 32 bis 37 Grad. Die Unterschiede sind jedoch gering und haben in der Praxis kaum Auswirkungen auf die Anlagenplanung.

Grosser ist der Einfluss der Hohenlage. In Bergregionen uber 1'000 m.u.M. ist die Sonneneinstrahlung intensiver (klarere Luft, weniger Streuung), und die Module profitieren von der kuhleren Umgebungstemperatur. Die absoluten Ertrage konnen hier 10 bis 20 Prozent uber denen im Flachland liegen.

Neigung bei Flachdachern: Frei wahlbar

Bei Flachdachern kann der Neigungswinkel der Module durch Aufstanderung frei gewahlt werden. Hier empfehlen wir fur die Schweiz folgende Winkel:

Einfluss der Neigung auf den saisonalen Ertrag

Die Dachneigung beeinflusst nicht nur den Jahresertrag, sondern auch die saisonale Verteilung der Produktion. Flache Module produzieren im Sommer relativ mehr, steile Module im Winter. Fur den Eigenverbrauch ist ein steilerer Winkel oft vorteilhaft, da er die Winterproduktion erhoht und die Sommeruberproduktion reduziert.

Bei einem Dach mit 20 Grad Neigung ist das Verhaltnis Sommerertrag zu Winterertrag etwa 4:1. Bei 40 Grad betragt es etwa 3:1. Bei 60 Grad sogar nur 2.5:1. Fur Gebaude mit Warmepumpenheizung, die im Winter viel Strom benotigen, kann ein steilerer Winkel daher wirtschaftlich vorteilhaft sein.

Fazit: Der Winkel ist flexibler als gedacht

Die optimale Dachneigung fur Solar in der Schweiz liegt bei 30 bis 35 Grad – aber Abweichungen von diesem Ideal sind weit weniger kritisch als viele denken. Im Bereich von 15 bis 45 Grad liegen die Ertragseinbussen unter 5 Prozent. Lassen Sie sich also nicht verunsichern, wenn Ihr Dach nicht den perfekten Winkel hat – es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit trotzdem hervorragend fur Solar geeignet.

Individuelle Ertragsberechnung

Wir berechnen den optimalen Ertrag fur die exakte Neigung und Ausrichtung Ihres Dachs.

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