Dach-Solar bei Schnee und Regen: Wie Schweizer Wetter die Anlage beeinflusst

Die Schweiz ist nicht gerade fur ewigen Sonnenschein bekannt. Regen, Nebel, Schnee und kurze Wintertage gehoren zum Alltag. Verstandlicherweise fragen sich viele Eigenheimbesitzer, ob sich eine Solaranlage unter diesen Bedingungen uberhaupt lohnt. Die Antwort ist ein klares Ja – und in diesem Ratgeber erklaren wir im Detail, wie die verschiedenen Wetterphanomene die Solarproduktion beeinflussen und warum Schweizer Solaranlagen trotzdem hervorragende Ertrage liefern.

Schweizer Haus mit Solarpanels im Schnee

Schnee auf Solarmodulen

Schnee ist das wohl am haufigsten genannte Bedenken bezuglich Solar in der Schweiz. Und tatsachlich: Eine geschlossene Schneedecke auf den Modulen blockiert die Stromerzeugung nahezu vollstandig. Doch die Realitat ist weniger dramatisch, als viele befurchten.

Wie schnell taut Schnee von Modulen?

Solarmodule haben eine glatte Glasoberflache und erwarmen sich leicht durch die wenige Sonnenstrahlung, die durch die Schneedecke dringt. Bei geneigten Dachern (ab ca. 15 Grad) rutscht der Schnee daher deutlich schneller von den Modulen als von den umgebenden Ziegeln. Typischerweise sind Module 1 bis 3 Tage nach einem Schneefall wieder schneefrei, wahrend die Ziegel noch tagelang bedeckt sein konnen.

Der Schneeabrutscheffekt wird durch mehrere Faktoren beeinflusst: Dachneigung (je steiler, desto schneller), Moduloberflache (Glas ist glatter als Ziegel), dunkle Farbe der Module (absorbiert mehr Warme), und die geringe Warme, die das Modul selbst produziert. In der Praxis sind die Ertragsverluste durch Schnee geringer, als man erwarten wurde.

Quantifizierte Ertragsverluste durch Schnee

RegionHohenlageErtragsverlust durch Schnee
Mittelland (Zurich, Bern)400–600 m1–3%
Voralpen600–1'000 m3–5%
Alpenregion1'000–1'500 m5–8%
Hochalpinuber 1'500 m8–15%

Fur das Schweizer Mittelland, wo die meisten Solaranlagen installiert werden, betragen die Ertragsverluste durch Schnee also nur 1 bis 3 Prozent des Jahresertrags. Das entspricht dem Ertrag von wenigen Tagen – ein vernachlassigbarer Effekt.

Schnee raumen: Ja oder nein?

In den meisten Fallen ist es nicht notig und nicht empfehlenswert, Schnee von den Modulen zu raumen. Das Risiko, die Module zu beschadigen, ist hoher als der Ertragsverlust. Kratzer auf der Glasoberflache oder mechanische Belastung der Zellen konnen dauerhafte Schaden verursachen. Lassen Sie den Schnee von selbst abrutschen oder schmelzen.

Eine Ausnahme bilden Flachdacher mit sehr geringer Neigung, wo der Schnee nicht von alleine abrutschen kann. Hier kann eine sanfte Raumung mit einem weichen Besen oder einem speziellen Schneeraumsystem sinnvoll sein. Verwenden Sie niemals scharfe Werkzeuge oder Hochdruckreiniger.

Schneelast beachten

Wichtiger als der Ertragsverlust ist die Schneelast auf den Modulen und dem Dach. In schneereichen Regionen muss die Statik der Dachkonstruktion die zusatzliche Schneelast plus das Gewicht der Solaranlage tragen. Die SIA-Normen definieren die massgebenden Schneelasten fur jede Region der Schweiz.

Regen und Solarertrag

Regen reduziert die Solarproduktion, aber nicht so stark, wie man denken konnte. Moderne Solarmodule produzieren auch bei bedecktem Himmel und Regen Strom – wenn auch deutlich weniger als bei Sonnenschein.

Produktion bei bedecktem Himmel

An einem regnerischen Tag produziert eine Solaranlage typischerweise 10 bis 25 Prozent ihrer Nennleistung. Das klingt wenig, summiert sich aber uber das Jahr zu einem betrachtlichen Beitrag. In der Schweiz stammen ca. 30 bis 40 Prozent des Jahresertrags aus diffuser Strahlung – also Licht, das durch Wolken, Nebel und Regen gefiltert wird.

Moderne bifaziale Module konnen zusatzlich reflektiertes Licht von der Ruckseite nutzen. Bei nassen Dachern oder Schneeflachen kann die Albedo-Reflexion den Ertrag um zusatzliche 5 bis 10 Prozent steigern.

Reinigungseffekt des Regens

Ein positiver Nebeneffekt des Regens: Er reinigt die Module naturlich. Staub, Pollen, Vogelkot und andere Verschmutzungen werden bei jedem Regenschauer abgespult. In der Schweiz, wo es regelmässig regnet, ist die naturliche Reinigung so effektiv, dass eine professionelle Modulreinigung in den meisten Fallen nicht notwendig ist.

Nebel und Hochnebel

Nebel und Hochnebel sind besonders im Schweizer Mittelland ein haufiges Phanomen, vor allem im Herbst und Winter. Unter einer Hochnebeldecke sinkt die Solarproduktion auf 5 bis 15 Prozent der Nennleistung. Da die Hochnebellage oft tagelang anhalt, kann sie den Winterertrag spurbar reduzieren.

Interessanterweise sind Standorte uber der Nebelgrenze (typischerweise uber 800 bis 1'000 m.u.M.) im Winter oft sonniger als das Mittelland. Anlagen in den Voralpen und Alpen konnen im Winter hohere Ertrage liefern als vergleichbare Anlagen im nebligen Mittelland. Die klare Bergluft und die Reflexion des Schnees erhohen die Einstrahlung zusatzlich.

Hitze und hohe Temperaturen

Ein oft ubersehener Faktor ist die Hitze. Solarmodule werden bei hohen Temperaturen weniger effizient – pro Grad uber 25 Grad sinkt die Leistung um ca. 0.3 bis 0.5 Prozent. An einem heissen Sommertag mit 35 Grad Lufttemperatur konnen die Module Temperaturen von 60 bis 70 Grad erreichen, was die Leistung um 10 bis 20 Prozent reduziert.

Das kuhlere Schweizer Klima ist hier ein Vorteil gegenuber sudlicheren Landern. Wahrend Solaranlagen in Spanien oder Italien im Hochsommer erhebliche Hitzeverluste erleiden, bleiben Schweizer Anlagen effizienter. Die moderate Sommertemperatur von 25 bis 30 Grad im Mittelland ist nahezu ideal fur die Solarstromerzeugung.

Hagel und Sturm

Hagelschlage konnen Solarmodule beschadigen, doch moderne Module sind erstaunlich widerstandsfahig. Sie werden nach der IEC-Norm 61215 auf Hagelbestandigkeit gepruft und mussen Eiskugeln von 25 mm Durchmesser mit einer Aufprallgeschwindigkeit von 23 m/s unbeschadet uberstehen. In der Praxis halten sie oft auch grosserem Hagel stand.

In der Schweizer Schadenstatistik machen Hagelschaden an Solaranlagen einen verschwindend geringen Anteil aus. Die allermeisten Hagelereeignisse verursachen keine sichtbaren oder messbaren Schaden an den Modulen. Bei extremen Hagelereignissen mit Kornern uber 5 cm konnen jedoch Glasbruch und Zelschaden auftreten.

Sturmschaden sind bei fachgerecht montierten Anlagen ebenfalls selten. Die Montagesysteme werden fur die ortlich massgebenden Windlasten dimensioniert, mit Sicherheitsreserven gemas SIA-Normen. Die Befestigung halt typischerweise Windgeschwindigkeiten von uber 150 km/h stand.

Saisonale Ertragsverteilung in der Schweiz

MonatAnteil am Jahresertragca. kWh/kWp
Januar3–4%30–45
Februar5–6%50–65
Marz8–9%80–100
April10–12%100–130
Mai12–14%120–150
Juni13–15%130–165
Juli14–16%140–175
August12–14%120–150
September9–10%90–110
Oktober6–7%60–75
November3–4%30–45
Dezember2–3%20–35

Die Tabelle zeigt den typischen saisonalen Verlauf fur das Schweizer Mittelland. Die Sommermonate Mai bis August liefern zusammen uber 50 Prozent des Jahresertrags. Die Wintermonate November bis Februar tragen nur 13 bis 17 Prozent bei. Diese ungleiche Verteilung ist der Hauptgrund, warum ein Batteriespeicher oder ein saisonaler Ausgleich (z.B. uber das Netz) sinnvoll ist.

Versicherung und Schutz

Eine Solaranlage sollte gegen Wetterrisiken versichert sein. In der Schweiz decken die kantonalen Gebaudeversicherungen in den meisten Kantonen auch fest montierte Solaranlagen als Gebaudebestandteil ab. In Kantonen ohne kantonale Gebaudeversicherung muss eine private Versicherung abgeschlossen werden.

Prufen Sie mit Ihrer Versicherung, ob Ihre Solaranlage automatisch mitversichert ist oder ob eine Meldung erforderlich ist. Die Versicherung deckt typischerweise Schaden durch Hagel, Sturm, Blitz, Uberschwemmung und Schneedruck ab.

Fazit: Schweizer Wetter ist kein Hindernis

Das Schweizer Wetter mag launisch sein, aber es ist kein Hindernis fur eine wirtschaftliche Solaranlage. Die Ertragsverluste durch Schnee, Regen und Nebel sind moderat und in den Ertragsprognosen bereits berucksichtigt. Die kuhleren Temperaturen sind sogar ein Vorteil gegenuber heisseren Klimazonen. Mit uber 1'000 kWh pro kWp im Mittelland und bis zu 1'400 kWh in den Alpen liefert die Schweiz mehr als genug Sonne fur eine lohnende Solarinvestition.

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