Dach-Ausrichtung und Ertrag: Tabelle fur alle Himmelsrichtungen

Die Ausrichtung Ihres Dachs bestimmt massgeblich, wie viel Solarstrom Ihre Anlage produzieren kann. Doch wie gross ist der Unterschied zwischen Sud, West und Ost wirklich? Und lohnt sich Solar auch bei einer weniger optimalen Ausrichtung? In diesem Ratgeber finden Sie detaillierte Ertragstabellen fur alle Himmelsrichtungen und Neigungswinkel – speziell berechnet fur Schweizer Verhaltnisse.

Luftaufnahme Schweizer Siedlung verschiedene Dachausrichtungen

Die grosse Ertragstabelle

Die folgende Tabelle zeigt den relativen Jahresertrag einer Solaranlage in Prozent des Maximums (=100% bei 30 Grad Sud) fur verschiedene Kombinationen von Ausrichtung und Neigung. Die Werte gelten fur das Schweizer Mittelland.

NeigungSudSSW/SSOSW/SOWSW/OSOW/OWNW/ONONW/NONord
87%87%87%87%87%87%87%87%
10°93%93%91%89%87%84%82%80%
20°98%97%93%88%83%77%72%68%
30°100%98%93%85%78%70%63%58%
40°98%96%90%80%72%63%55%50%
45°95%93%87%76%68%59%51%46%
60°82%80%74%64%56%48%42%38%
90°55%53%48%40%34%29%26%24%

Was die Tabelle uns sagt

Der gruene Bereich: 85% und mehr

Alle Kombinationen mit einem relativen Ertrag von 85 Prozent und mehr sind ohne Einschrankung fur eine wirtschaftliche Solaranlage geeignet. Dieser Bereich umfasst alle Ausrichtungen von Ost-Sudost bis West-Sudwest bei Neigungen von 0 bis 45 Grad. Das bedeutet: Ein Grossteil der Schweizer Dacher befindet sich in diesem optimalen Bereich.

Der gelbe Bereich: 70 bis 85%

Anlagen in diesem Bereich sind immer noch wirtschaftlich, haben aber langere Amortisationszeiten. Hier finden sich reine Ost- und West-Ausrichtungen bei steileren Neigungen sowie Nordwest- und Nordost-Ausrichtungen bei flacheren Neigungen. Eine sorgfaltige Wirtschaftlichkeitsberechnung ist empfehlenswert, aber in den meisten Fallen lohnt sich Solar auch hier.

Der rote Bereich: unter 70%

Bei relativen Ertragen unter 70 Prozent wird die Wirtschaftlichkeit fraglich. Dies betrifft hauptsachlich nordlich ausgerichtete Dachflachen mit Neigungen uber 20 Grad. Hier sollte im Einzelfall gepruft werden, ob eine Solarinstallation sinnvoll ist. Auf Flachdachern ist eine Aufstanderung die bessere Alternative.

Praxisbeispiele fur die Schweiz

Beispiel 1: Satteldach Sudost/Nordwest, 35 Grad

Die Sudostseite erzielt ca. 93% des Maximalertrags = ca. 930 bis 1'020 kWh/kWp. Die Nordwestseite erzielt nur ca. 59% = ca. 590 bis 650 kWh/kWp. Empfehlung: Sudostseite voll belegen, Nordwestseite nur belegen, wenn der Eigenverbrauch hoch ist und die Mehrproduktion die Mehrkosten rechtfertigt.

Beispiel 2: Satteldach Ost/West, 30 Grad

Beide Seiten erzielen ca. 78% des Maximalertrags = ca. 780 bis 860 kWh/kWp. Die Gesamtproduktion uber den Tag ist aber gleichmassiger verteilt. Empfehlung: Beide Seiten belegen. Der Eigenverbrauchsanteil ist hoher als bei einer reinen Sudanlage, was die geringeren spezifischen Ertrage kompensiert.

Beispiel 3: Pultdach West, 25 Grad

Die Westflache erzielt ca. 83% des Maximalertrags = ca. 830 bis 915 kWh/kWp. Die Produktion ist in die Nachmittags- und Abendstunden verschoben. Empfehlung: Voll belegen. Besonders fur Familien, die abends den hochsten Verbrauch haben, ist diese Ausrichtung sogar vorteilhaft.

Azimut-Abweichung richtig einschatzen

Die Ausrichtung wird in der Solartechnik als Azimutwinkel angegeben. Sud entspricht 0 Grad, West +90 Grad und Ost -90 Grad. Die meisten Dacher sind nicht exakt nach einer Himmelsrichtung ausgerichtet, sondern weichen um einige Grad ab. Die gute Nachricht: Abweichungen von bis zu 30 Grad von der Sudachse haben praktisch keinen Einfluss auf den Jahresertrag.

Einfluss der Verschattung

Noch wichtiger als die perfekte Ausrichtung ist die Verschattungsfreiheit. Ein nach Suden ausgerichtetes Modul, das morgens von einem Baum verschattet wird, kann weniger Ertrag liefern als ein nach Sudwesten ausgerichtetes Modul ohne Verschattung. Verschattung ist der grosste Ertragskiller bei Solaranlagen.

Typische Verschattungsquellen sind Baume und Hecken, Nachbargebaude und hohere Gebaude, Kamine und Lukarnen auf dem eigenen Dach, Antennen und Satellitenschusseln sowie temporare Verschattung durch Wolken und Nebel. Wahrend die ersten vier Punkte durch Planung vermieden oder minimiert werden konnen, ist die Wetterverschattung standortabhangig und kaum beeinflussbar.

Verschattungsanalyse ist Pflicht

Bestehen Sie bei der Planung auf einer detaillierten Verschattungsanalyse. Moderne Tools simulieren den Sonnenverlauf uber das gesamte Jahr und berucksichtigen alle Hindernisse im Umfeld. Das Ergebnis zeigt fur jedes Modul den zu erwartenden Ertragsverlust durch Verschattung. So konnen Module an kritischen Positionen vermieden und der Gesamtertrag maximiert werden.

Zusammenspiel von Ausrichtung und Eigenverbrauch

Die optimale Ausrichtung hangt auch vom Verbrauchsprofil ab. Fur Haushalte, die tagsber wenig Strom verbrauchen (berufstatige Paare), ist eine reine Sudanlage mit hoher Mittagsproduktion nicht ideal – der Grossteil des Stroms wird zu niedrigen Ruckspeisevergutungen eingespeist. Eine Ost-West-Belegung oder Sudwest-Ausrichtung kann hier den Eigenverbrauchsanteil deutlich erhohen und die Wirtschaftlichkeit verbessern.

Fur Gewerbebetriebe mit hohem Tagesverbrauch ist die Sudausrichtung hingegen optimal, da die Mittagsproduktion direkt verbraucht werden kann. Und fur Gebaude mit Warmepumpe, die im Winter heizen, ist eine steilere Neigung vorteilhaft, da sie die Winterproduktion erhoht.

Fazit: Ausrichtung ist wichtig, aber nicht alles

Die Ausrichtung des Dachs beeinflusst den Solarertrag, aber der Spielraum ist grosser als oft angenommen. Im breiten Bereich von Ost-Sudost bis West-Sudwest sind die Ertragsunterschiede moderat und durch die heutigen Modulpreise wirtschaftlich gut kompensierbar. Lassen Sie sich von einer vermeintlich suboptimalen Ausrichtung nicht von einer Solaranlage abhalten – in den allermeisten Fallen ist Solar eine lohnende Investition.

Exakte Ertragsberechnung fur Ihr Dach

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